Königin in Ketten
Ihre blütenweiße Haut war in teuerste Seide gehüllt, Perlen von fernen Küsten zierten ihren Hals und ein goldenes Diadem thronte auf ihrem kunstvoll gesteckten Haar. Doch all dies wäre unnötig gewesen. Sie hätte in die Kleidung eines Bettlers gehüllt sein können, denn allein ihr arroganter Blick, ihre festgefrorenen Züge verrieten ihre adlige Herkunft. Königin Beatrix stand wie eine Statue in dem feuchtkalten Verließ und wirkte dabei wie ein Leuchtfeuer. Ein kaltes Leuchtfeuer. Eines, das keine Hoffnung, keine Wärme spendete, trotz all der Pracht, die sie an diesen trostlosen Ort brachte. Ein Klagelaut drang aus der Ecke, die nur geradeso durch rußende Öllampen erhellt wurde. Schnell wandte sich Ramon wieder dem Mann zu, der dort in dieser Ecke an eisernen Ketten von der Decke hing und dem seine eigentliche Aufmerksamkeit gelten sollte. Noch war sein reich besticktes Wams fleckenlos, die hautengen Strümpfe nicht zerrissen und er selbst beinahe unversehrt. Sah man von den Malen...